CHIO Aachen: Belgien gewinnt renommierten Mercedes-Benz Nationenpreis

Im letzten Jahr gaben sie den Sieg am allerletzten Hindernis aus der Hand. In diesem Jahr hat sich die Mannschaft aus Belgien nun revanchiert, den ersehnten Triumph im renommierten Mercedes-Benz Nationenpreis gewonnen und sich damit den Sieg im prestigeträchtigen „Länderspiel“ gesichert.

Vor exakt 60 Jahren begann die Zusammenarbeit zwischen dem Autobauer und dem CHIO Aachen. Zum Jubiläum boten die Springreiter einen dem Anlass entsprechend würdigen Wettstreit, der mit dem Sieg für die Mannschaft von Bundestrainer Kurt Gravemeier endete. Pieter Devos, zuletzt bereits beim Major Spruce Meadows „Masters“ erfolgreich,  mit Dream of India Greenfield, Olivier Philippaerts mit Cabrio Van De Heffinck, Jos Verlooy mit Domino und Gregory Wathelet mit Conrad De Hus verbuchten nach zwei Umläufen im 510 Meter langen Parcours von Frank Rothenberger lediglich sechs Fehlerpunkte. Wathelet legte dabei mit zwei Null-Runden die Basis für den großen Erfolg. Der Weltranglisten-14. – im Übrigen der einzige Wallone neben drei Flamen im Team – hatte erst vor zwei Wochen sein angedachtes Championatspferd Sea Coast Forlap DC in die Ukraine verkauft. Mit seinem Zweitpferd Conrad De Hus schloss er nun nahtlos an die bisherigen Erfolge an.

„Aachen ein immer ein Event, es gibt nichts Schöneres. Vor allem, wenn man ganz vorne steht mit einer derart jungen Mannschaft, die am Ende nochmal richtig stark gekämpft hat. Ich bin wahnsinnig stolz auf die Jungs und freue mich wirklich riesig. Wir wollen in Hinblick auf die Weltreiterspiele konzentriert weiterarbeiten, aber diesen Erfolg werden wir jetzt an diesem Abend erst einmal genießen“, sagte der Nationaltrainer, der in Aachen bereits viermal mit der deutschen Equipe gewonnen hatte. Mit Belgien war es nun der erste Streich. Gravemeier mit einem Schmunzeln: „Aber es wird nicht das letzte Mal gewesen sein.“

Auf Rang zwei landete die USA. Die Mannschaft, die mit Lucy Davis mit Barron ebenfalls eine doppelte Nullrunde verbuchte und von Reed Kessler mit Cylana, Lauren Hough mit Ohlala und Kent Farrington mit Willow komplettiert wurde, kam auf insgesamt acht Fehlerpunkte, gefolgt von den Vorjahressiegern aus der Niederlanden (10). Die deutsche Mannschaft, die nach der ersten Runde mit vier fehlerfreien Runden hervorragend vorgelegt hatte, kassierte im zweiten Umlauf jeweils einen Abwurf von Marcus Ehning mit Plot Blue, Daniel Deusser mit Cornet D’amour und Ludger Beerbaum mit Chiara und kam im Gesamtergebnis auf zwölf Strafpunkte. Katrin Eckermann, die erstmals im Aachener Nationenpreis mitreiten durfte, stürzte am Wassergraben unsanft auf dem Soerser Grün. Der Unfall ging für Reiter und Pferd glimpflich aus. Doch der ersehnte Sieg blieb der Gastgebernation um Bundestrainer Otto Becker wieder einmal verwehrt. „Das Wichtigste ist, dass es Katrin gut geht. Und das ist Gott sei Dank der Fall“, sagte der 55-Jährige. „Wir hatten eine phänomenale erste Runde. Da kamen schon einige Gratulanten, aber dann hatten wir viel Pech mit vielen unglücklichen Fehlen“, sagte er. In der vergangenen Woche hatte seine Mannschaft im schwedischen Falsterbo nach einem mäßigen ersten Durchgang noch auf Rang eins geschoben. Diesmal war es andersherum. „Es wäre natürlich noch schöner gewesen, wenn uns der Sieg in Aachen gelungen wäre. Wir haben hier nicht geschafft, es zu Ende zu bringen. Das müssen wir jetzt schlucken. Aber insgesamt überwiegt doch das Gefühl, dass alle Pferde wirklich gut gesprungen sind“, gab Becker zu Protokoll und fügte hinzu: „Im nächsten Jahr werden wir es wieder versuchen.“ Deutschland hatte im Jahr 2008 das letzte Mal beim heimischen CHIO triumphiert.

USA-Coach Robert Dover war sehr zufrieden mit seinen Reitern: „Es ist ein großes Privileg, hier reiten zu dürfen. Wir hatten schon gestern einen guten Tag. Heute war es noch besser.“

Auch in den Aussagen von Oranje-Trainer Rob Ehrens schwang mehr Freude als Enttäuschung mit. „Die erste Runde lief sehr gut, im zweiten Umlauf dann etwas weniger. Aber vor dieser Kulisse war es trotzdem wundervoll und wir sind sehr zufrieden mit dem dritten Platz“, sagte der 56-Jährige.
Zufriedenheit auch bei den CHIO-Organisatoren: Insgesamt 50.300 Zuschauer waren am Donnerstag in die Soers gekommen.

Zitate von der Pressekonferenz:
Andreas von Wallfeld, Leiter Verkauf und Marketing Mercedes-Benz Cars Deutschland

„Wir haben heute einen sehr spannenden Nationenpreis gesehen. Bis zum letzten Sprung war nicht klar, wer siegen wird. Wir sind als Sponsor besonders stolz, dass wir den CHIO Aachen in den letzten 60 Jahren unterstützen konnten, vor allem den Nationenpreis. Wir verlängern unseren Vertrag für die nächsten vier Jahre und freuen uns auf weitere spannende Prüfungen in der Zukunft.“
Kurt Gravemeier, Chef d’Equipe Belgien

„Aachen ist ein Event. Es gibt nichts Schöneres. Und wenn man dann hier ganz vorne steht, mit so einer jungen Mannschaft, die auch in der zweiten Runde, wo es wirklich eng wurde, noch einmal gekämpft haben, dann muss man als Trainer einfach stolz sein. Ich freue mich, dass wir nun weiter konzentriert in Richtung Weltreiterspiele arbeiten können, aber diesen Erfolg werden wir heute erst einmal genießen.“

Rob Ehrens, Chef d’Equipe Niederlande

„Wir sind sehr glücklich. Die erste Runde war ziemlich gut, in der zweiten Runde haben wir jedoch etwas nachgelassen. Die Prüfung war einfach toll, vor so vielen Zuschauern. Ich muss dem Team mein Kompliment aussprechen, es hat einen wirklich guten Job gemacht.“

Robert Ridland, Chef d’Equipe USA

„Es ist wirklich ein großes Privileg, nach Aachen zu kommen. Wir hatten gestern schon einen erfolgreichen Tag. Heute folgte ein weiterer guter Tag für dieses junge Team.“

Pieter Devos, belgischer Springreiter

„Ich danke dem Sponsor und den Organisatoren, insbesondere Frank Rothenberger, für diese tolle Prüfung. Ich bin sehr glücklich, hier in Aachen zu starten und bin zufrieden mit meiner heutigen Leistung. Ich hoffe, dass ich in den nächsten Tagen weiterhin erfolgreich bin. Beim Nationenpreis habe ich mit einem großartigen Team gewonnen, das sehr gut zusammenpasst. Wir sind hier hingekommen, um als Team zu kämpfen. Das ist besonders wichtig!“

Frank Kemperman, ALRV-Vorstansvorsitzender

„Wir haben heute beim Nationenpreis fantastischen Sport gesehen. Zum ersten Mal waren beide Nationenpreise, im Springen und in der Dressur, komplett ausverkauft mit insgesamt 50.300 Zuschauern.“