Das Blaue Band für die Finnin Emma Kanerva

Hamburg – Sie war beim Olympischen Spielen am Start, bei Weltreiterspielen und dreimal bei Europameisterschaften, jetzt hat sie sich den Sieg im Almased Deutschen Dressur-Derby in Hamburg gesichert: Emma Kanerva. „Ich bin sprachlos.“ Ein breites Strahlen und Pause. „Ich kann das gar nicht glauben.“ Wieder Pause. „Ich bin einfach nach Gefühl geritten.“ Mit Gefühl zum Blauen Band!

Kanerva hatte sich Platz drei und vier im Grand Prix gesichert und konnte so zwischen ihren beiden Pferden wählen: Heartbreaker oder Dambacu. Ihre Wahl fiel auf den Erfahreneren. Mit dem 14-jährigen His Highness-Sohn Heartbreaker ist die Finnin also im Derby-Finale angetreten, hat eine sehr gute Runde mit 73,966 Prozent gedreht. Fast genauso viele Punkte konnte die 32-Jährige mit dem Pferd von Jan-Dirk Gießelmann, Real Dancer, sammeln: 73,133 Prozent. Insgesamt beendete Kanerva das Finale mit 214,699 Punkten – der klare Sieg. Zweiter wurde der Profi-Ausbilder Jan-Dirk Gießelmann mit 210,666 Punkten, die viermalige australische Olympiateilnehmerin Kristy Oatley folgte mit 207,600 Punkten.

„Der, der am besten mit den anderen Pferde zurecht kommt, soll das Derby gewinnen und das war für mich heute ganz klar Emma!“ Dickes Lob an die Siegerin von Konkurrent Gießelmann, die Richter sahen es genauso. Zehn Jahre, von 2005 bis 2015, hat Kanerva im Stall von Hubertus Schmidt gearbeitet. Das Feingefühl, das schnelle Einfühlungsvermögen, dürfte sie in großen Teilen auch in dieser Zeit erlernt haben. Nach einem einjährigen Aufenthalt in England bei Derby-Vorjahressieger Emile Faurie ist Emma Kanerva seit November 2016 in Hamburg zu Hause. Sie reitet für den renommierten Hamburger Reitstall Klövensteen. Und dort wird heute ganz sicher eine dicke Derby-Feier stattfinden.

Das beste Pferd des Almased Deutschen Dressur-Derby-Finals wurde der imposante große Rubin Royal-Sohn Real Dancer. Ein dickes Kompliment an den Reiter, denn Gießelmann hat den Hannoveraner von Anfang an selbst ausgebildet und bis in den Grand Prix-Sport gefördert. Das erste Pferd übrigens, dass er selbst bis zur höchsten Klasse entwickelt hat.

Während es für Gießelmann und Kanerva das erste Derby-Finale war, hat Kristy Oatley schon einige Derby-Erfahrung gesammelt. Dreimal war sie schon Derby-Dritte, zweimal Zweite und heute kam ein weiterer dritter Platz hinzu. Wie Kanerva hatte Oatley die Qual der Wahl: Du Soleil oder Qualia? Mit beiden Pferden war sie im Grand Prix am Start und konnte wählen. Sie entschied sich für den selbst gezogenen Quando-Quando-Sohn. „Du Soleil wird jetzt den Sichtungsweg für die Weltreiterspiele in Tryon gehen, deshalb habe ich mich für unser Familienpferd entschieden.“ Qualia wird zu Hause mehr von der elfjährigen Tochter Rose als von der Mutter geritten und sei ein exzellentes Lehrpferd, freut sich Kristy Oatley. Die Mutter von drei Kindern fühlt sich Hamburg und dem Derby eng verbunden. In der Nähe Hamburgs ist sie seit 1991 zu Hause, genauer in Lütjensee. Das Hamburger Derby ist ihr Heimturnier und ihr großer Lehrmeister, der verstorbene Herbert Rehbein, zugleich ihr großer Derby-Held. „Von Herbert Rehbein habe ich alles gelernt, was ich heute kann.“ Herbert Rehbein selbst hatte das Deutsche Dressur-Derby neunmal gewonnen.

Das Deutsche Dressur-Derby feierte 60. Geburtstag. In der Historie dieses Dressur-Klassikers hat es die ein oder andere Veränderung gegeben, zum Beispiel die Art der Wertung. Bis 1995 gingen Damen und Herren getrennt in ihren Derby-Finals an den Start, seit 1996 treten sie direkt gegeneinander an. Seitdem hat noch nie eine ausländische Reiterin das Finale gewonnen. Ein Premieren-Sieg also für Emma Kanerva. Überhaupt konnten seit 1996 nur drei Reiter, die nicht für Deutschland an den Start gingen, gewinnen, aber das waren immer Herren: 2014 der Däne Lars Petersen, 2016 der Spanier Borja Carrascosa und im vergangenen Jahr der Brite Emile Faurie.

Den letzten Sieg für Finnland feierte Jenny Eriksson 1989 im Deutschen Damen-Dressur-Derby. 39 Jahre hat Finnland auf den nächsten Sieg in Hamburgs Dressur-Klassiker gewartet, zum 60. Geburtstag hatte das Warten ein Ende.

Einer, der immer an das Konzept des Pferdewechsels geglaubt hat und immer am Deutschen Dressur-Derby festhielt, ist Derby-Chef Volker Wulff. Nach dem 60. freut er sich schon auf den nächsten runden Geburtstag. „Wir werden auf jeden auch den 70. Geburtstag des Deutschen Dressur-Derbys feiern.“