Frauen im Sattel bei Olympischen Spiele

1952 gab es die ersten Olympiamedaillen für Reiterinnen

Warendorf (fn-press). Der Reitsport hat im Vergleich zu anderen olympischen Disziplinen zwei Besonderheiten: die eine ist – natürlich – das Pferd, die andere die Tatsache, dass beim Reiten Männer und Frauen gegeneinander antreten.

Bei den ersten Olympischen Spielen der Neuzeit 1896 ist an Frauen bei Olympischen Spielen noch nicht zu denken. Erst seit 1900 sind sie vereinzelt bei den Spielen anzutreffen. Die Reiterinnen müssen aber noch deutlich länger auf ihren ersten Einsatz warten. Erst 1952 gelingt der Durchbruch, auch wenn die grundsätzliche Zulassung in den reitsportlichen Disziplinen schon 1930 erteilt worden war: Die dänische Dressurreiterin Lis Hartel gewinnt mit Jubilee als erste Frau die Silbermedaille bei Olympischen Spielen. Der Erfolg ist umso höher zu bewerten als Hartel mit Anfang 20 an Polio erkrankt ist und später die Muskeln in den Unterschenkeln nicht mehr bewegen kann. Der schwedische Offizier Henri Saint Cyr, der vor ihr Olympiasieger wird, hebt sie bei der Siegerehrung auf das Podest.

Ebenfalls 1952 vertritt Ida Freiin von Nagel mit Afrika als erste Frau die deutschen Farben bei den Spielen in Helsinki. Sie wird Zehnte in der Einzelwertung und gewinnt die Bronzemedaille mit dem deutschen Team. Vier Jahre später entsendet das DOKR erstmals ein komplett aus Reiterinnen bestehendes Dressurteam zu den Spielen nach Stockholm. Das Trio gewinnt Silber, darüber hinaus sichert sich Liselott Linsenhoff mit Adular als erste Frau eine Medaille in der Einzelwertung: Bronze. 1972 wird sie vor heimischem Publikum in München zur ersten deutschen Olympiasiegerin gekürt. Sie sitzt dabei im Sattel des Trakehners Piaff, dessen Name bis heute in der Dressurszene, nicht nur wegen der nach ihm benannten Förderpreis-Serie für U25-Dressurreiter, bekannt ist. Nur zwei deutsche Reiterinnen können bislang in ihre Fußstapfen treten: Nicole Uphoff, die mit Rembrandt 1988 und 1992 den Titel in der Einzelwertung gewinnt, sowie Isabell Werth, die 1996 in Atlanta die Goldmedaille in der Einzelwertung holt.

Noch länger als in der Dressur dauert es im Springen, bis die erste Frau in den vordersten Rängen auftaucht. Nach dem ersten Olympia-Start der Britin Pat Smythe im Jahr 1956 vergehen zwölf Jahre bis zum Gewinn einer Einzelmedaille durch eine Frau. 1968 sichert sich die Britin Marion Coakes mit dem nur 1,45 Meter großen Pony Stroller Silber. Die deutschen Amazonen, allen voran die Derby-Siegerin Irmgard von Opel, konnten zwar schon seit den 30er Jahren auf Erfolge im Springsattel verweisen, auf einen Einsatz bei Olympischen Spielen mussten sie jedoch bis 2008 warten. Die erste Springreiterin, die Deutschland bei Olympischen Spielen vertritt, ist die gebürtige US-Amerikanerin Meredith Michaels-Beerbaum. Am Ende verpasst sie mit Shutterfly um einen Platz das Treppchen und wird Vierte.

Während die deutschen Dressurteams in den vergangenen Jahren vorwiegend weiblich – zuletzt wurde 2004 mit Martin Schaudt und Weltall ein deutscher Reiter für die Spiele nominiert – und die Springequipen vorwiegend männlich geprägt sind, gehört der deutschen Vielseitigkeitsmannschaft seit 1996 mindestens eine Reiterin an. Die ersten Medaillengewinnerinnen im pferdesportlichen Mehrkampf sind Karen Stieves (USA) und Ginny Elliott, damals noch unter ihrem Mädchennamen Virginia Holgate (Großbritannien). Sie gewinnen 1984 in Los Angeles Gold bzw. Silber in der Einzelwertung. Es ist dasselbe Jahr, in dem die damals 21-jährige Bettina Overesch, heute Bettina Hoy, als erste Deutsche an Olympischen Spielen teilnimmt. Sie gewinnt in Los Angeles ihre erste Medaille mit der Mannschaft und schreibt 20 Jahre später Geschichte, als sie Gold in Athen gewinnt, das ihr jedoch wegen eines Formfehlers (zweimaliges Überreiten der Startlinie) wieder aberkannt wird. Auf eine Olympiasiegerin wartet die Vielseitigkeit – wie auch das Springen – daher noch immer. Hb

Zugriffe: 189