Rudolf Herzog von Croÿ einstimmig als Präsident des PV wiedergewählt

Das Präsidium des Pferdesportverbandes Westfalen 2016. (Susanne Müller)

Delegiertenversammlung des Pferdesportverbandes Westfalen in Bielefeld.

Bielefeld (PV). Bei der Jahresversammlung des Pferdesportverbandes Westfalen in Bielefeld ging es in diesem Jahr weitaus emotionaler zu als üblich. Mit dem ehemaligen Geschäftsführer des PV, Klaus Ridder, und der langjährigen Vorsitzenden der Pferdesportjugend, Christa Middendorf, verabschiedeten sich zwei Menschen aus der Verbandsarbeit, die eigentlich nicht aus ihr wegzudenken sind. Beide ernteten standing ovations von der Versammlung.

Kontinuität in der Führung des immer noch mitgliederstärksten Pferdesportverbandes in Deutschland dürfen die Delegierten nach der Verabschiedung des bisherigen Vorstandsvorsitzenden weiterhin erwarten. Der geschäftsführende Vorstand, der in den vergangenen zehn Jahren aus Klaus Ridder und Brigitte Hein bestand, umfasst nunmehr drei Mitglieder. Neu hinzugekommen sind David Rammes und Daniel Stegemann, die zukünftig gemeinsam mit Brigitte Hein die Verantwortung für das Wohl des Verbandes tragen.

Einstimmig wählte die Versammlung Rudolf Herzog von Croÿ wieder zu ihrem Präsidenten. Vize-Präsident und Wahlleiter Gernot Berendes dankte ihm ausdrücklich für seinen stets  exzellenten Einsatz für den westfälischen Pferdesport.

51 Delegierte und etliche Ehrengäste waren Mitte März der Einladung des Stadtreiterverbandes Bielefeld in den Teutoburger Wald gefolgt. Unda-Kristiane Küter, Vorsitzende des Stadtreiterverbandes, begrüßt die Abgesandten der Stadt-, Kreis- und Bezirksreiterverbände ebenso wie Bielefelds Bürgermeisterin Karin Schrader. Mit einer gewissen Portion Wehmut hielt Klaus Ridder seinen letzten Jahresbericht des PV vor der Versammlung. Einen ausgesprochen erfreulichen Bericht, wenn man von der Aussage absieht, dass 2015 nun auch der Pferdesportverband Westfalen als letzter der deutschen Landes-Pferdesportverbände unter die 100.000 Marke rutschte, was die Mitglieder seiner Vereine betrifft. „Trotzdem sind wir mit 582 Vereinen immer noch der größte Verband in Deutschland“, betonte Klaus Ridder. Hoffnung weckende Zahlen nannte er bei den Kooperationen, die Pferdesportvereine im vorigen Jahr mit Kitas, Kindergärten und Schulen eingingen. Immer mehr Vereine nutzen inzwischen diese Möglichkeit, neue, junge Mitglieder zu gewinnen und Menschen für den Pferdesport zu begeistern.

Turniersport auf hohem Niveau

Erfreut nahmen die Delegierten zur Kenntnis, dass Westfalen weiterhin eine Region ist, in der der Turniersport auf sehr hohem Niveau auszumachen ist. 839 Veranstaltungen wurden in 2015 gezählt (2014: 883). Erleichtert verkündigte Klaus Ridder, dass die Einführung der Pferdesteuer in Westfalen bisher verhindert werden konnte. Wie Herzog von Croÿ später ergänzte, wurde die Pferdesteuer inzwischen von vier Gemeinden in Deutschland eingeführt. Eine davon schaffte sie wegen Unwirtschaftlichkeit wieder ab. Die Delegierten erhielten dazu ein druckfrisches Positionspapier in ihren Unterlagen, das kurz zuvor von mehreren Bundestagsabgeordneten, der  Kommunalpolitischen Vereinigung der CDU und CSU Deutschlands sowie der FN mit ihren Landespferdesport- und Zuchtverbänden formuliert worden war.

Den zweiten Teil seines Jahresberichts nutze Klaus Ridder für ein Resümee seiner Zeit beim Pferdesportverband Westfalen. Seinen Vortrag reicherte er mit einigen Vergleichszahlen aus den vergangenen 25 Jahren an. In dieser Zeit ist zum Beispiel die Zahl der Vereine spürbar gestiegen. Gewachsen ist auch die Zahl der Turniere. Um fast die Hälfte sank hingegen in der gleichen Zeit der prozentuale Anteil im Finanzhaushalt des Verbandes, der aus den Mitgliedsbeiträgen stammt.

„Die Ausbildung ist Grundlage unseres Turniersports. Ihre Wichtigkeit ist nicht hoch genug zu bewerten“, hatte Klaus Ridder in seinem Vortrag erwähnt und von rund 3000 lizensierten Ausbildern in Westfalen gesprochen. Damit hatte er das Stichwort für Martin Plewa geliefert, der das wesentliche Ziel seines Ausschusses Ausbildung darlegte: einen mittelfristigen Plan, der sicherstellt, dass Ausbildung flächendeckend angeboten wird. Er und seine Mitstreiter diskutieren im vergangenen Jahr bessere Kommunikationswege und mehr Nähe zu den Kreisreiterverbänden. In den vergangenen Wochen fanden Foren in allen drei Regierungsbezirken statt, die dazu dienten, mit den Ausbildungsbeauftragten der Kreisverbände ins Gespräch zu kommen und deren Einschätzung und Wünsche zu sammeln.

Die Fitness der Reiter

Dr. Meike Riedel vom Ausschuss Breitensport berichtete der Versammlung über die Projekte „Wir bewegen unseren Verein“ und „Sicherheit im Sport“. Die Themen Sturz-Prophylaxe und Fitness der Reiter sollen 2016 weiter entwickelt werden. Gut sei der neue sportmotorische Test für Ü30-Reiter angekommen. In diesem Jahr sind weitere Seminare und Aktionstage zur  Gesundheit beim Sport für Erwachsene geplant. „Der Reiterfitness wird normalerweise keine so große Beachtung geschenkt, das möchten wir ändern“, so Dr. Meike Riedel.

Jan-Dirk Brass vom Ressort „Mitgliederentwicklung und –stärkung“ lud für den 12. April zu einer Tagung für Pferdebetriebe in Oelde ein, die gemeinsam von der Deutschen Reiterlichen Vereinigung, dem Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverband und dem Pferdesportverband Westfalen ausgerichtet wird. Im späteren Verlauf der Sitzung wurde Jan-Dirk Brass einstimmig von der Versammlung als Präsidiumsmitglied wieder gewählt.  

Für den Ausschuss Leistungssport gab Daniel Stegemann in Vertretung für den Ausschuss-Vorsitzenden Klemens Nachtigall einen kurzen Überblick über die vielen Erfolge, die westfälische Nachwuchs-Pferdesportler 2015 errangen. Von zahlreichen Fortbildungsmaßnahmen im vergangenen Jahr berichtete ebenfalls Elfriede Schulze Havixbeck als Vorsitzende der KLW. Sie kündigte an, dass es 2016 vermehrt Gamaschenkontrolle auf Turnieren geben werde. In einem Wandel befindet sich das Konzept für die Richtergrundprüfung, die in der APO geregelt ist. Eine neue Arbeitsgruppe habe dazu schon Vorschläge erarbeitet, und 2016 gibt es erste Pilotveranstaltungen. Als neue Messbeauftrage für die Ponys nannte sie Marlies Brinkmann, Marc-Andre Ridder, Katrin Tosberg und für die Schiedsmessung Daniel Stegemann.

Ehrennadel für Christa Middendorf

Zum letzten Mal berichtete Christa Middendorf den Delegierten über den Jugendtag. Sie machte noch einmal deutlich, dass sich die Lebenswelt der Jugendlichen ziemlich verändert habe und der Pferdesport darauf reagieren müsse. Gleichzeitig aber müsse man den Mut und die Geduld aufbringen, die Wirkung neuer Konzepte abzuwarten. Herzog von Croÿ ehrte Christa Middendorf mit einer Laudatio und überreichte ihr anschließend die Ehrennadel des PV. Sie ist die höchste Auszeichnung, die der Pferdesportverband verleihen kann, und sie wurde bisher nur selten vergeben. Christa Middendorf ist die erste Frau, die die Ehrennadel erhielt.

In Vertretung des verhinderten Franz Kuckelmann stellte David Rammes die Jahresrechnung 2015 vor, die erneut eine sehr solide Verbandsstruktur und finanzielle Sicherheit aufwies. Im Anschluss stellte er den Haushaltsplan 2016, während Daniel Stegemann den Förderhaushalt präsentierte. Das Präsidium und der Vorstand wurden einstimmig entlastet. Als Rechnungsprüfer für die nächste Versammlung fungieren Johannes Wittenbrink (Regierungsbezirk Arnsberg) und Werner Knöbel (Regierungsbezirk Detmold) sowie als Stellvertreter Oliver Schulze Brüning (Regierungsbezirk Münster).

Komplett gewählt wurden sämtliche Fachausschüsse im Pferdesportverband Westfalen: der Ausschuss Ausbildung, der Ausschuss Breitensport, der Ausschuss Mitgliederentwicklung sowie der Ausschuss Leistungssport. Eine positive Entwicklung der Trainerausbildung zeigte Jörg Jacobs, Leiter der Westfälischen Reit- und Fahrschule, auf. Die beliebte Seminarreihe „Montag ist Schultag“ wurde testweise und auf Wunsch vieler Teilnehmer auf den Freitag verlegt. Auch 2016 sind wieder Geländereitertage sowie ein Turnier mit CIC*- und CIC**-Prüfungen geplant. Kooperationen – auch mit dem Ausland sowie mit Kitas und Schulen – will die Schule künftig noch weiter ausbauen. 

Die nächste Delegiertenversammlung findet im März 2017 statt.  Hierzu lud Peter Mannheims, Vorsitzender des dann gastgebenden Kreisreiterverbandes Borken, ein.

Quelle: PV Münster

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