Westfälische Meisterschaften Voltigieren

Mannschaftsehrung / Foto: Susanne Müller

Wehdem-Oppendorf siegt bei den Teams

Herford. Strahlende Gesichter bei Siegern und Platzierten, Zufriedenheit bei den Veranstaltern nach leichten Irritationen im Vorfeld, und ein Turnier-Wochenende mit bester Stimmung: Die Westfälischen Meisterschaften der Senioren im Voltigieren waren rundum ein Erfolg. Ein Titel wurde verteidigt, in den beiden weiteren Wertungen standen neue Gesichter ganz oben auf dem Treppchen.
Die alten Meisterin der Damen ist auch die neue: Christine Kuhirt durfte wieder die Schärpe mit nach Hause nehmen. Aber ein reiner Spaziergang war es nicht, denn in der abschließenden Kür am Sonntag belegte Kuhirt nur Rang 2. Mit einer technisch anspruchsvollen, athetischen Kür hatte sich Vereinskollegin Gianna Meier vor sie geschoben. Doch auf Grund der besseren Leistung in der Pflicht am Samstag ging die Gesamtwertung an Kuhirt. Dritte wurde Eileen Siekmeier aus Wehdem-Oppendorf.
In Abwesenheit des Titelverteidigers wurde die Meisterwertung der Herren zu einer Familiensache: Jonas Breuer führte nach der Pflicht um Haaresbreite vor seinem Bruder Jan. Doch der schob sich in der Kür vor seinen jüngeren Bruder – auch, weil dieser nach einem kleinen Fehler in einer Übung einmal vom Pferd rutschte. Bronze bei den Herren holte Marcel Sühring aus Wehdem-Oppendorf.
Wehdem-Oppendorf holte bei den Gruppen einen Start-Ziel-Sieg vor Titelverteidiger Metelen. Schon nach der Pflicht am Samstag hatten die Oppendorfer vorn gelegen, wenn auch knapp. Mit ihrer technisch anspruchsvollen Kür sicherten sie sich den Titel vor den Metelern. Auf Rang drei landete das Team aus Herne.
In der relativ neuen Disziplin Doppel siegten Jolina Ossenberg-Engels und Timo Gerdes mit ihrer „Romeo-und-Julia“-Vorstellung. Die beiden starten für den RV Altena. Zweite wurden Franziska Bortholome und Joshua Entrup aus Herne vor den Schwestern Jennifer und Kathrin Wordel (Bergkamen-Overberg).
Am Finale des Westfalenpokals auf M*-Niveau nahmen sechs Teams teil. Recht deutlich gewannen hier die Volmerdingser vor Wehdem-Oppendorf und Castrop-Rauxel.
Deutlichen Mehraufwand für die Veranstalter hatten die Herpes-Infektionen in einem Herforder Reitstall mit sich gebracht. Um wirklich gar nichts zu riskieren, wurden die Turnierpferde in einem eigenen Stalltrakt in eigens desinfizierten Boxen untergebracht. Das Orga-Team um Kirstin Remiasch, Begüm Yilmaz und Jana Matalla-Wagner hatte – wie für das gesamte Turnier – keine Mühen gescheut.
Umso bedauerlicher, dass der Team-Tierarzt des Nationalkaders im Vorfeld entschieden hatte, dass die Pferde für die Europameisterschaft Mitte August
vorher nicht in den Kreis Herford fahren dürften. „Unsere drei tollen Schaunummern sind deshalb weggefallen, und auch Christine Kuhirt und Jannis Drewell als Titelverteidiger waren betroffen“, so Kirstin Remiasch. Kuhirt fand ein Ersatzpferd, Drewell dagegen verzichtete auf die Teilnahme. Remiasch: „Das war zum Glück der einzige sportliche Ausfall, alle anderen sind gestartet.“ Trost am Rande für Drewell: Wie auch Gianna Meier und Christine Kuhirt wurde ihm im Laufe des Turniers das Goldene Abzeichen für zehn Siege auf S-Niveau verliehen.
Christine Kuhirt war mit ihrer Marilyn-Monroe-Vorstellung zu „I wanna be loved by you“ auf dem Ersatzpferd absolut zufrieden. Und glücklich, dass es zum Meistertitel gereicht hat – obwohl sie zwei Übungen hatte rausnehmen müssen. „Mein eigener Voltigiergurt hat andere Griffe, mit diesem Gurt wären diese beiden Übungen viel wackliger gewesen.“ Nun hofft Kuhirt auf eine erfolgreiche EM in zwei Wochen sowie die Deutsche Meisterschaft als gelungenen Abschluss. Nicht nur der Saison, sondern auch ihrer Voltigier-Karriere: „Ich arbeite inzwischen Vollzeit, und mit dem Training wird mir das etwas viel. Und man soll ja bekanntlich aufhören, wenn es am schönsten ist.“
Große Freude über Gold und Silber herrschte im Hause Breuer: Mutter Mechthild an der Longe, Jan als Meister und sein zwei Jahre jüngerer Bruder Jonas als Vize waren für Ravensberg-Lippe erfolgreich. Jan verzeichnete mit dem obersten Podestplatz nach Silber und Bronze in den Vorjahren den perfekten Aufwärtstrend. Außerdem freute er sich, dass er nach einem Sehnenanriss in der Schulter, gefolgt von zehnwöchiger Trainingspause, jetzt so gut hatte turnen können. Wenig neidisch war Bruder Jonas: „Im Training stacheln wir uns gegenseitig an, aber im Wettkampf sind wir ein Team. Ich hätte heute ohnehin auf Jan gewettet, nicht auf mich.“
Wahrhaft sprachlos war das Oppendorfer Team nach der Meister-Ehrung: „Wir sind doch noch nicht einmal im Landeskader.“ Und nun dieser Erfolg – gekrönt von Nominierung für die Deutsche Meisterschaft Ende August.
Dorthin werden sie neben den Mitgliedern des Bundeskaders Voltigieren begleitet von den Einzelvoltigierern Nora Salberg, Jan Breuer, Jonas Breuer, Eileen Siekmeier, Nathalie Döhnert, Eva Rotert und Lisa Freund. Von den Doppelpaaren wurden in Herford nominiert Joshua Entrop/Franziska Bartholome und Markus Cohaus/Lena Feldhues. Unter den Teams wurden Metelen und Herne für die Deutsche Meisterschaft nominiert.

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