Atypische Weidemyopathie

Der Ahornbaum soll schuld sein

In den letzten Jahren haben Meldungen über Fälle der atypischen Weidemyopathie immer wieder Pferdebesitzer in Angst und Schrecken versetzt. Aber die Ursache dieser oft sehr schnell zum Tod fahrenden Erkrankung wurden verschiedene Theorien aufgestellt, die jedoch bislang nicht bewiesen werden konnten. Nun meinen Wissenschaftler in den USA herausgefunden zu haben, dass der tödliche Wirkstoff in den Samen des Eschen Ahorns steckt. Dies ist einer Meldung der Veterinärmedizinischen Fakultät an der Universität Wien zu entnehmen:
WissenschaftlerInnen der University of Minnesota in St. Paul, USA, (Stephanie Valberg, DVM, PhD, und ihre Gruppe des College of Veterinary Medicine) haben die Ursache der atypischen Myopathie (Synonym: saisonale Weidemyopathie) für Amerika festgestellt. Eine abnormale Aminosäure namens L­α­Amino­methylenecyclopropylpropionic acid (Hypoglycin A) zerstört den Abbau der Mittel­ und Langkettenfettsäuren und fährt somit zur Muskelschädigung der aeroben Muskelfasern. Das Hypoglycin A wurde in den Samen des Eschen­Ahorns (Acer negundo), einem Mitglied der Sapindaceae gefunden. Die tolerierbare Dosis des maßgeblichen Wirkstoffs für ein Pferd wird auf minimal 26 und maximal 373 mg/kg/Tag geschätzt. Dafür reicht die Aufnahme von 165 bis zu 8.000 Samen. Da ein Baum leicht 500.000 Samen trägt, ist es möglich, dass bei höherer Konzentration des Hypoglycins A die Pferde genügend Samen essen, um eine Intoxikation zu bewirken. Hypoglycin A ist bis jetzt zwar nur in den Samen des Eschen­Ahorns (Acer negundo) auf nordamerikanischen Betrieben mit atypischer Myopathie nachgewiesen worden, aber es ist nicht auszuschließen, dass diese Substanz auch im Samen anderer Ahornspezies vorkommen kann. Der Eschen­Ahorn ist eigentlich eine nordamerikanische Spezies, wurde aber bereits 1688 in Mitteleuropa eingeführt. Üblicher für Österreich sind der Feldahorn (Acer campestre) und die in Mitteleuropa häufigste Ahornart, der Bergahorn (Acer pseudoplatanus). Von Letzteren liegen Daten vor, dass in seinem Samen auch Hypoglycin A vorkommen kann. Bei Feldahorn und Spitzahorn ( Acer platanoides) ist dies unklar, aber unwahrscheinlich. 
Nach diesen Ergebnissen ist es ratsam zu verhindern, dass extensiv gehaltene Pferde Ahornsamen aufnehmen kцnnen. Der Bergahorn ist dabei potenziell gefährlich. Er kommt unter andern auf Almen, aber auch im Flachland vor. Zur Vorbeugung der Aufnahme der Samen durch Pferde, die extensiv gehalten werden, reicht meist das Füttern von (zusätzlichem) Heu. Vor allem beim Bergahorn ist damit zu rechnen, dass die Früchte im September und Oktober reifen und dass die Freisetzung der giftige Samen im Oktober bis November stattfindet.

Zugriffe: 125